Stellungnahme
der Sozialistischen Linken – SoL –
www.sol-hh.de
Kundgebung
20.6.09, Glockengießerwall:
„Demonstration gegen das islamische
und faschistische Regime im Iran!“
Aufgrund der aktuellen Proteste
gegen das Mullah-Regime im Iran
fanden sich verschiedene
exiliranische Gruppen in der
Iranischen Linken Plattform Hamburg
zusammen und organisierten für den
Samstag eine Kundgebung gegen das
„islamische und faschistische Regime
im Iran“. Neben der iranischen
Linken, Antiimperialisten und
Kommunisten waren auch deutsche
Zionisten mit kleinen
Israel-Fähnchen und -Buttons
anwesend, also alles was das
antideutsche Herz begehrt und zum
partyzionistischen Lifestyle gehört.
Nach mehrmaliger Aufforderung an die
Veranstalter, diese Kräfte auf ihrer
Kundgebung nicht zu tolerieren,
geschah erstmal nichts. Erst als ein
Genosse eine Rede zu Palästina
hielt, sammelten sich die
antideutschen Grüppchen zusammen und
es kam zu einem Handgemenge.
Daraufhin bespuckte ein
Antideutscher eine ältere Frau. Dies
konnten wir nicht tolerieren.
Die Polizei versuchte einen unserer
Genossen festzunehmen, was durch das
entschlossene Handeln von uns
verhindert wurde. Unser Genosse
verließ, obwohl er von den
Organisatoren gebeten wurde zu
bleiben, daraufhin die Kundgebung,
um die Situation nicht weiter
eskalieren zu lassen. Etwas später
kam eine Person der Gruppe Peyvand
zu uns und schloss uns im Namen der
Organisatoren von der Kundgebung
aus. Die Proteste der Genossen der
SPI waren ihr offensichtlich egal,
da sie der Meinung war, wir würden
die islamische Republik seit Jahren
unterstützen. Wie sie zu diesem
Schluss kommt, bleibt uns als
regelmäßige Unterstützer von
Anti-Mullah-Regime-Kundgebungen
rätselhaft. Ihre offenkundige
politische Verwirrtheit zeigte sich
auch in ihrer großen Sympathie für
die Antideutschen. Wir haben einen
großen Diskussionsbedarf über die
Ereignisse auf der Kundgebung und
rufen alle irgendwie beteiligten
Gruppen oder einzelnen Leute auf,
sich bei uns zu melden und in ein
Diskussionsprozess treten.
Eine iranische Linke, die mit
Zionisten zusammenarbeitet oder sie
auf ihren Veranstaltungen toleriert,
hat keine fortschrittliche
Perspektive mehr. Wer mit Zionisten
hantiert, holt sich auch den
Imperialismus ins Boot. Im Nahen und
Mittleren Osten spielt Israel eine
tief reaktionäre und
imperialistische Rolle, seien es die
vergangenen Kriege, die von Israel
ausgingen oder die Gefahr von neuen.
Israel im Bündnis mit den USA
gestaltet die Region nach seinem
Willen und akzeptiert bis heute
keine Grenzen für sich!
Frieden oder Freiheit gibt es nicht
mit den Imperialisten, seien es
deutsche, israelische oder
nordamerikanische. Das Beispiel des
Irakkrieges zeigt, dass es keine
Befreiung durch imperialistische
Intervention geben kann! Dort
paktiert die „Irakische
Kommunistische Partei“ mit den USA
und entzieht sich so ihrer
gesellschaftlichen Basis, anstatt
sich an die Spitze des irakischen
Widerstandes zu setzen und die
Imperialisten aus dem Land zu jagen.
Die Imperialisten bedrohen die
Länder dieser Region, wenn sie sie
nicht schon direkt besetzt oder zu
ihren Vasallen gemacht haben.
Deshalb ist eine klare
Positionierung gegen sie für den
dortigen Kampf unentbehrlich. Wer
also zusammen mit den Imperialisten
das iranische Regime bekämpfen will,
fällt hinter den Status Quo zurück,
weil er die imperialistische
Besatzung legitimiert. Man muss sich
also sowohl gegen das mörderische
Mullah-Regime als auch gegen den
Imperialismus stellen!
Den deutschen Zionisten geht es im
Iran nicht um die Menschen, die
Opfer des iranischen Regimes sind,
oder um Menschenrechte, denn in
ihrem politischen Repertoire
befindet sich neben dem Genozid an
den Palästinensern auch der atomare
Erstschlag Israels gegen den Iran!
Sie solidarisieren sich mit einer
israelischen Realität, die den
Faschisten Avigdor Lieberman zu
ihrem Außenminister gewählt hat. Was
das alles mit Emanzipation zu tun
hat, weiß wohl keiner mehr.
Als KommunistInnen stellen wir uns
selbstverständlich gegen den
Zionismus. Dabei solidarisieren wir
uns mit dem israelischen und
palästinensischen Widerstand. Der
Vorwurf, Antizionismus sei
Antisemitismus, entbehrt jeder
Vernunft und verwässert den Kampf
gegen den Antisemitismus.
Um es auf
antideutsch zu sagen: "Verwechselt
antideutsch nicht mit links!"
Nehmen wir sie
beim Wort!
Zionismus und
Imperialismus bekämpfen! Nieder mit
dem Mullah-Regime! Gegen
imperialistische Intervention! Das
iranische Volk muss und kann sich
nur selbst befreien! Hoch die
internationale Solidarität!